Vor 68 Jahren durften wir kein eigenes Konto haben. Heute schlagen wir die Männer beim Investieren – nur die wenigsten von uns tun es.
Bis zum 1. Juli 1958 brauchte eine verheiratete Frau in Deutschland die Zustimmung ihres Mannes, um überhaupt arbeiten zu gehen oder ein eigenes Konto zu eröffnen. Erst das Gleichberechtigungsgesetz änderte das, und bis 1977 galt sogar offiziell die „Hausfrauenehe“ als gesetzlicher Normalfall. Keine drei Generationen liegen zwischen diesem Rechtsstand und heute. Umso spannender, was gerade passiert.
Die Consorsbank hat im März 1,86 Millionen Depots ausgewertet, über den kompletten Zyklus von 2021 bis 2025. Ergebnis: Frauen erzielten im Schnitt 33,6 Prozent Rendite, Männer 31,4 Prozent, inklusive dem Crash-Jahr 2022, in dem Frauen mit 18,9 Prozent Verlust deutlich glimpflicher davonkamen als Männer mit 21,4 Prozent. Der Grund ist unspektakulär: Frauen streuen breiter, setzen mehr auf ETFs statt auf einzelne Aktien und verkaufen seltener in Panik. Man könnte sagen, Frauen investieren wie Profis es eigentlich empfehlen, nur wird es ihnen meist nicht als Strategie verkauft, sondern als „vorsichtig“ nachgesagt.
Und hier kommt der Teil, der in der Berichterstattung meist fehlt: Die meisten Frauen sind bei dieser Erfolgsgeschichte gar nicht dabei. Laut Deutschem Aktieninstitut besaßen Anfang 2026 nur 15,1 Prozent aller Frauen in Deutschland Aktien oder Fondsanteile. Bei Männern waren es 24,8 Prozent. Absolut: 5,4 Millionen Frauen gegenüber 8,7 Millionen Männern. Immerhin wuchs die Zahl der Anlegerinnen 2025 um 24 Prozent, doppelt so schnell wie bei den Männern. Die Lücke schließt sich, aber die überwiegende Mehrheit der Frauen in diesem Land besitzt bis heute kein einziges Wertpapier.
Was heißt das für dich, ganz konkret? Falls du schon investierst: Deine Entscheidungen sind nachweislich gut, offen ist nur die Summe. Schon 20 oder 30 Euro mehr im Monat machen über Jahrzehnte einen echten Unterschied. Falls du noch nicht investierst: Du gehörst zu den 85 Prozent, für die diese Zahlen bisher keine Rolle spielen, und das liegt vermutlich nicht daran, dass dir Wissen fehlt. Ein ETF-Sparplan lässt sich oft schon ab 50 Euro im Monat einrichten, ganz ohne Vorwissen. Das Wissen, das du dir noch zutraust, kommt ohnehin erst mit dem Machen.
Quellen: Consorsbank-Studie zum Weltfrauentag 2026 (1,86 Mio. Depots, 2021 bis 2025); Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025 (Januar 2026); ZEW Mannheim, Cziriak/Bucher-Koenen/Alessie, „Beyond Knowledge: Confidence and the Gender Gap in Financial Literacy,“ Discussion Paper Nr. 24-083 (2024); Allianz, „Playing with a squaredball: the financial literacy gender gap“ (2023); Jha/Shayo, The Economic Journal (2025); bpb.de zur Geschichte des Gleichberechtigungsgesetzes 1958 und der Eherechtsreform 1977.
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